Dialoge auf Twitter – flüchtige Verständigungen

“Dialog in 140 Zeichen” oder “Twitter als Instrument des Dialogs”. Google spuckt für diese Phrasen viel Marketing-Bullshit-Bingo aus. Überzeugt Euch selbst! Und wenn Obama oder sonstwer der Staatsoberhäupter twittert, dann hat das wenig mit einem Dialog im Sinne von Habermas zu tun. Hier existiert Medienmacht wie eh und je.

Was trägt also Twitter zum Dialog im 21. Jahrhundert bei?

Das Telefon - das Dialogmedium 1.0 im Frankfurter Kommunikationsmuseum

Twitter hat einen Vorteil gegenüber klassischen Medien wie Zeitungen, Radio oder TV. Twitter ist als System für jeden offen, der es nutzen möchte (vorausgesetzt er springt mal eben über den Digital Gap und besorgt sich einen Computer und Internetanschluss). Jeder kann mitmachen und jeder kann sprechen. Wunderbar also für einen öffentlichen Dialog “auf Augenhöhe”. Chancengleichheit ist also gegeben. Doch trotzdem ist Twitter nur ein Medium des flüchtigen Dialogs.

Zwei, drei, vier oder fünf Tweets – mehr Interaktionen zwischen zwei oder mehreren Twitter-Nutzern kommt selten zustande. Das macht Twitter auch für viele Unternehmen so interessant, die gar keinen langen und tiefgründigen Dialog mit “dem gemeinen Konsumenten” wollen sondern nur eine Verständigung mit ihren Kunden. Und das ist auch vollkommen ok so!

Bei Twitter geht es nicht um langatmige, tiefsinnige Diskussionen über das Sein. Es geht dagegen oft um das gegenseitige und kurzfristige Verständigen über Etwas, das Sich-Mitteilen-Wollen, die Informationssuche und das Vernetzen untereinander. Für den wahren Dialog haben wir immer noch das schönste Medium überhaupt: das face-to-face-Gespräch. Ein Dialog im face-to-face-Gespräch kann nicht einfach von einer Seite unterbrochen werden. Bei Twitter ist das relativ einfach und nachtragend scheint deswegen hier auch keiner zu sein.

Twitter ist schnell. Twitter ist flüchtig.

Jeder Tweet landet im Newsstream. Und wenn er dann Sichtbarkeit erhält, dann ist das der sensibelste Moment und somit die Zeit für eine Antwort der anderen Seite. Oder eben auch nicht. Wenn ein Twitter-Dialog startet ist er ein zartes Pflänzchen. Jeder der Gesprächsteilnehmer muss sicherstellen, dass er ab und zu seinen Stream “checkt” und somit weiter Teil haben kann an der Diskussion. Macht er dies nicht, dann versiegt der Twitter-Dialog ganz schnell wieder.

Auch wenn Habermas mit Twitter vielleicht nicht glücklich geworden wäre, Twitter addiert im 21. Jahrhundert trotzdem etwas zu Kommunikation hinzu: die flüchtige Verständigung über ein Thema.

Eine flüchtige Verständigung mit @HUK_COBURG

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